Wenn wir an Fenster denken, dann meinen wir eigentlich Fensterverschlüsse. Das Fenster ist streng genommen nämlich nur das Loch in der Wand, ein Fensterverschluss ist der meist bewegliche, also öffenbare, aus Fensterflügeln bestehende und in einem Rahmen aus unterschiedlichen Materialien angebrachte Teil.

 

Klassische Innensicht auf ein historisches Fenster. Hier gibt es noch keinen Holzrahmen – den sogenannten Kasten – sondern die beweglichen Teile sind hier direkt mit Eisenbeschlägen an das Steingewände montiert, welches sicherstellt, das die Fensteröffnung in der Wand nicht einbricht. Auf das höhere Alter verweisen hier auch die kleinteiligen Sprossen der Fensterflügel, da man in früheren Zeiten kaum mehr als Handtellergrosse, mit Schlieren und Blasen durchsetzte Tafelgläser herstellen konnte. Eine starke Kleinteiligkeit der Sprossen  ist also fast immer ein Hinweis auf ein höheres Alter des Fensters. Diese Annahme unterstützt hier auch noch die Dicke der Wand sowie der Rundbogen über dem Fenster: Eine Zeit also, in der Überlagen noch nicht gebräuchlich waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein späteres Fenstermodell zeigt schon einen umlaufenden Kasten aus Holz, welcher die Innensicht der Mauer im Bereich der Fensteröffnung oft zur Gänze abdeckt. Man fühlt beinahe die Leichtigkeit der Fensterflügel, die entweder aus Fichtenholz gemacht wurden, wenn sie gefasst – also mit Ölfarbe zum Schutz vor der Witterung eingelassen waren – oder in Eiche, wenn sie unbehandelt und holzsichtig geblieben sind.

 

 

Hier sieht man eine subtil-graue Farbfassung. Dem Standöl und Leinölgemisch wurden hellgraue Pigmente beigemischt. Helle Farben hielten die Fenster zwar länger gegen die UV-Strahlung widerstandsfähig, aber Farben waren immer von zwei Faktoren bestimmt: Verfügbarkeit und Mode. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etwa werden dunkelbraune oder auch grüne Lasuren modisch, im Klassizismus neigte man eher einer hellen Farbpalette zu.

 

Dunkelgrüne Fassungen verweisen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Was man bei diesen Fenster gut erkennen kann, ist der sogenannte Wetterschenkel über den Fenstern, eine leicht geneigtes Brett, das dafür sorgen soll, das kein Wasser in das Fenster eindringen kann. Das Wesen der Holzkastenfenster kann man mit folgenden Eigenschaften zusammenfassend beschreiben: Es sind schlichte, gut reparable, handwerklich gemachte, aus einem Rahmen – dem Kasten– und leichten, beweglichen Teilen bestehende Einheiten, die wie kein anderes Bauelement den Ausdruck und auch die zeitlich Einordnung eines Hauses bestimmen.

 

 

Jedes Einzelne Fenster ist daher – obwohl als Einzelstück durchaus nichts besonderes – unbedingt erhaltungswürdig.

 

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©2019 Architekt Klaus Jürgen Bauer

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